(Modul 1 – Sozialpädagogische Fachlichkeit)
Thema: Sozialpädagogische Fachlichkeit – Selbstüberforderung
Sophie lebt seit einem halben Jahr in einer mädchenpädagogischen Wohngruppe. Ihre Mutter ist chronisch krank, der Vater nicht bekannt. Sophie hat jahrelang den Haushalt geführt und ihre kleinen Geschwister versorgt. Jetzt wird sie zunehmend überfordert von der Freiheit in der Einrichtung.
Sie übernimmt Verantwortung für andere Jugendliche, kontrolliert Ordnung und Pünktlichkeit und gerät in Panik, wenn jemand eine Regel bricht. Als die Fachkräfte sie bitten, sich um sich selbst zu kümmern, reagiert sie mit Wut und Rückzug.
In der Fallanalyse wird deutlich: Sophie verwechselt Fürsorge mit Sicherheit. Ihr Kontrollverhalten ist eine Reaktion auf jahrelange Überforderung. Die Bezugserzieherin arbeitet mit ihr an Selbstfürsorge. Sie führt ein „Ich-Notizbuch“ ein, in dem Sophie täglich eine positive Erfahrung über sich aufschreibt.
In Therapie und Gruppenalltag lernt sie, „Nein“ zu sagen und Hilfe anzunehmen. Nach einem Jahr berichtet das Team: „Sie kann endlich Kind sein.“
Pädagogische Leitfrage:
Wie kann Fachlichkeit Selbstüberforderung erkennen und Schutzräume für Überverantwortliche Jugendliche schaffen?
Bezug zum Curriculum (Modul 1):
- Handlungskompetenz: Selbstfürsorgeförderung
- Sozialpädagogische Fachlichkeit: Reflexion von Übernahmeverhalten
- Recht: § 34 SGB VIII
- Methoden: Tagebucharbeit, Biografiearbeit, Selbstwerttraining