(Modul 1 – Sozialpädagogische Fachlichkeit)
Thema: Sozialpädagogische Fachlichkeit – Migration und Identität
Ramin kam mit seiner Familie aus Afghanistan. Nach Konflikten mit seinem Vater wegen „westlicher Lebensweise“ wurde er in eine stationäre Einrichtung aufgenommen. Er trägt westliche Kleidung, hört Rap, spricht perfekt Deutsch, hält aber gleichzeitig an religiösen Ritualen fest.
In der Gruppe zieht er sich zurück, reagiert bei kulturellen Themen empfindlich. Als ein Betreuer beiläufig „ihr Afghanen“ sagt, schreit Ramin: „Ich bin kein Afghane, ich bin ich!“
Das Team erkennt: Es geht nicht um Empfindlichkeit, sondern um Identitätskonflikte zwischen kultureller Zugehörigkeit und individueller Selbstbestimmung. Pädagogische Fachlichkeit bedeutet, diese Spannung nicht zu pathologisieren, sondern als Entwicklungsaufgabe zu begleiten.
Eine Fachkraft arbeitet biografisch: „Was bedeutet Zuhause für dich?“ – Ramin erzählt von der Flucht, vom Verlust und davon, dass er zwischen zwei Welten steht. Gemeinsam erstellen sie eine Collage seiner „zwei Kulturen“.
Parallel wird der Kontakt zur Familie über einen kultursensiblen Mediator stabilisiert. Ramins Vater erkennt, dass sein Sohn religiös bleibt, auch wenn er anders lebt.
Nach einem Jahr ist der Kontakt respektvoll, Ramin plant eine Ausbildung. Er sagt: „Ich kann beides sein – deutsch und afghanisch.“
Pädagogische Leitfrage:
Wie kann interkulturelle Fachlichkeit helfen, Identitätskonflikte junger Menschen in der Jugendhilfe konstruktiv zu begleiten?
Bezug zum Curriculum (Modul 1):
- Handlungskompetenz: Migration, Identität, Kulturverständnis
- Sozialpädagogische Fachlichkeit: Interkulturelle Haltung, Selbstreflexion
- Recht: § 8, § 27 ff. SGB VIII
- Methoden: Biografiearbeit, Mediationsgespräche, kulturelle Ressourcenarbeit