(Modul 1 – Sozialpädagogische Fachlichkeit)
Thema: Sozialpädagogische Fachlichkeit – Loyalitätskonflikte bei Kindeswohlgefährdung
Marvin kam nach massiver Gewalt durch den Vater in eine Schutzstelle. Er verteidigt die Eltern vehement: „Papa hat mich nur geschubst.“ In der Einrichtung idealisiert er die Familie, lehnt jede Kritik ab. Fachlich wird klar: Er befindet sich im Loyalitätskonflikt – Liebe und Angst überlagern sich.
Das Team entscheidet, ihn nicht von seiner Familie „abzubringen“, sondern Ambivalenz zuzulassen. Pädagogische Haltung: Bindung respektieren, Gewalt klar benennen. In Gesprächen wird validiert: „Du darfst Papa lieben, und trotzdem war das nicht richtig.“
Nach Monaten beginnt Marvin, beide Gefühle gleichzeitig zu halten – Zuneigung und Enttäuschung. Er sagt: „Ich will, dass er besser wird, nicht dass er bestraft wird.“ Das Team begleitet diesen Prozess in enger Kooperation mit der Familienhilfe. Nach einem Jahr ist ein Kontakt unter Auflagen möglich.
Pädagogische Leitfrage:
Wie kann man Loyalitätskonflikte begleiten, ohne emotionale Spaltung zu verstärken?
Bezug zum Curriculum:
- Handlungskompetenz: Bindungsarbeit, Gewaltreflexion
- Sozialpädagogische Fachlichkeit: Ambivalenzakzeptanz
- Recht: § 8a, § 42 SGB VIII
- Methoden: Dialogarbeit, Biografiearbeit, systemische Familienarbeit