(Modul 4 – Methodische Fähigkeiten)
Thema: Methodische Fähigkeiten (Modul 4)
Leonie ist 16 Jahre alt und lebt seit einem Jahr in einer Jugendhilfeeinrichtung. Nach Jahren seelischer Gewalt in der Familie kam sie nach Suizidandrohung in stationäre Hilfe. Anfangs still und angepasst, wird sie zunehmend aggressiv – beleidigt Fachkräfte, zerstört Gegenstände, verweigert Schule.
Das Team ist erschöpft. Einige ziehen sich zurück, andere reagieren autoritär. Eine Fachkraft schlägt vor, Leonies Verhalten als Ausdruck innerer Not zu sehen, nicht als Respektlosigkeit.
Gemeinsam entscheidet das Team, nach der Gewaltfreien Kommunikation (GFK nach Rosenberg) zu arbeiten.
- Beobachtung: „Du hast gestern die Tür zugeschlagen.“
- Gefühl: „Ich war erschrocken.“
- Bedürfnis: „Ich wünsche mir Sicherheit im Gespräch.“
- Bitte: „Kannst du mir sagen, was dich wütend gemacht hat?“
Leonie reagiert zunächst ablehnend, beginnt aber, eigene Gefühle zu benennen: „Ich hatte Angst, dass ihr mich rausschmeißt.“
Parallel nutzt das Team Supervision zur Reflexion und emotionalen Entlastung.
Nach einigen Monaten sind Eskalationen seltener, Leonie beteiligt sich an Gruppenentscheidungen und äußert Bedürfnisse klarer.
Pädagogische Leitfrage:
Wie können Fachkräfte in Konfliktsituationen deeskalierend und authentisch kommunizieren, ohne ihre Autorität oder Empathie zu verlieren?
Bezug zum Curriculum (Modul 4 – Methodische Fähigkeiten):
- Handlungskompetenz: Gesprächsführung, Krisenintervention, Selbstreflexion.
- Beteiligung und Teilhabe: Jugendliche in Konfliktlösungen einbeziehen.
- Sozialpädagogische Fachlichkeit: Authentizität, Beziehungskompetenz.
- Recht: Aufsichtspflicht, Schutzauftrag (§ 8a SGB VIII).
- Methoden: Gewaltfreie Kommunikation, Supervision, Deeskalation.