(Modul 4 – Methodische Fähigkeiten)
Thema: Methodische Fähigkeiten – Systemisches Arbeiten mit Selbstbildern
Jannis lebt seit acht Monaten in einer Tagesgruppe. Er kam aufgrund von massiven Verhaltensauffälligkeiten und ständigen Konflikten in der Schule. Er nennt sich selbst „Problemkind“. Schon in den ersten Wochen zeigt sich, dass er auf negative Erwartungen reagiert – sobald er merkt, jemand rechnet mit Fehlverhalten, liefert er es.
Die Fachkräfte beschließen, systemisch zu arbeiten: nicht Fehlverhalten analysieren, sondern Bedeutung und Funktion. Sie führen eine „Stärkenrunde“ ein, in der alle Kinder sich gegenseitig Komplimente machen. Jannis wird zuerst unsicher, dann neugierig. Im Einzelgespräch fragt ihn eine Fachkraft: „Wann bist du kein Problemkind?“ – „Wenn ich Fußball spiel.“ Diese Antwort wird pädagogisch aufgegriffen: Er übernimmt die Leitung der Gruppenspiele und bekommt Verantwortung in positivem Kontext.
Nach drei Monaten verändert sich seine Selbstbeschreibung. Er sagt nicht mehr „Ich bin ein Problemkind“, sondern „Ich hab Probleme, aber ich kann sie lösen.“ Das Team reflektiert: Systemisches Arbeiten heißt, den Rahmen zu verändern, nicht nur das Kind. Jannis stabilisiert sich im Alltag und zeigt erstmals Konfliktlösung ohne Aggression.
Pädagogische Leitfrage:
Wie kann systemische Arbeit dazu beitragen, negative Selbstbilder von Kindern in Ressourcen zu verwandeln?
Bezug zum Curriculum (Modul 4):
- Handlungskompetenz: Systemische Reflexion und Kommunikation
- Methoden: Stärkenorientierung, Rollenarbeit, Positive Umdeutung
- Beteiligung: Selbstdefinition des Kindes