(Modul 1 – Sozialpädagogische Fachlichkeit)
Thema: Sozialpädagogische Fachlichkeit
Fabian ist 12 und lebt in einer heilpädagogischen Gruppe. Nach einer Inobhutnahme wegen Vernachlässigung fiel er zunächst durch Gewalt gegenüber anderen Kindern auf. Er schlägt, beleidigt, spuckt – besonders dann, wenn er Aufmerksamkeit verliert.
Die Fachkräfte erkennen schnell: Die Wut ist Deckmantel für tiefe Angst. Fabian kann Nähe nur über Kontrolle herstellen. In der Biografiearbeit wird deutlich, dass er in seiner Familie unsichtbar war und nur durch Ausrasten „gehört“ wurde.
Das Team reagiert mit einem konsequenten, aber beziehungsorientierten Ansatz: klare Grenzen, aber keine Strafen. Jeder Konflikt wird im Nachgang aufgearbeitet, Gefühle werden benannt. Fabian soll verstehen: „Du bist nicht dein Verhalten.“
Parallel wird eine tiergestützte Förderung eingeführt. Der Kontakt zu einem Therapiehund löst erstmals positives Bindungsverhalten aus. Fabian zeigt Empathie, übernimmt Verantwortung und beginnt, Wut frühzeitig anzusprechen.
Nach acht Monaten berichtet das Team eine deutliche Reduktion der Gewaltvorfälle. Fabian sagt: „Ich will nicht mehr hauen, ich will, dass ihr stolz seid.“
Pädagogische Leitfrage:
Wie können Fachkräfte aggressive Kinder so begleiten, dass Wut als Ausdruck von Angst verstanden und positiv transformiert wird?
Bezug zum Curriculum (Modul 1 – Sozialpädagogische Fachlichkeit):
- Handlungskompetenz: Umgang mit Aggression aus Bindungsunsicherheit.
- Beteiligung: Selbstwahrnehmung fördern.
- Sozialpädagogische Fachlichkeit: Haltung der Akzeptanz, nicht Straflogik.
- Recht: § 34, § 8a SGB VIII.
- Methoden: Reflexionsgespräche, Tiergestützte Pädagogik, Emotionsarbeit.