(Modul 1 – Sozialpädagogische Fachlichkeit)
Thema: Sozialpädagogische Fachlichkeit – Schuldgefühle nach Gewalterfahrung
Anton kommt nach häuslicher Gewalt in eine Schutzstelle. Er glaubt, die Schläge seien seine Schuld, weil er „nicht brav war“. Im Alltag zeigt er sich hyperloyal zu seinem Vater und gleichzeitig ängstlich. Er entschuldigt sich für jede Kleinigkeit und schreckt bei lauten Geräuschen zusammen.
Die Fachkräfte arbeiten traumapädagogisch mit klaren Strukturen und positiver Selbstzuschreibung. Ein „Ich-bin-okay-Buch“ wird eingeführt, in das täglich eine Sache geschrieben wird, die Anton gut gemacht hat. Parallel wird körperliche Sicherheit trainiert: fester Tagesablauf, Vorhersagbarkeit, Rückzugsort.
Nach mehreren Monaten kann Anton über seine Erlebnisse sprechen, ohne sich selbst zu verurteilen. Er sagt: „Papa war gemein, nicht ich.“ Dieser Satz markiert den Beginn seiner inneren Befreiung.
Pädagogische Leitfrage:
Wie kann eine pädagogische Fachkraft Schuldumkehr bei Kindern nach Gewalt auflösen, ohne den Elternbezug zu zerstören?
Bezug zum Curriculum (Modul 1):
- Handlungskompetenz: Traumapädagogische Begleitung
- Sozialpädagogische Fachlichkeit: Haltung der Entschuldung
- Recht: § 42, § 8a SGB VIII
- Methoden: Sicherheitsarbeit, positives Selbstbild, Narrativarbeit